Heute Morgen bin ich vor der Hitze aufgewacht und ich konnte denken.
Jeden Sommer tappe ich in die Denkfalle. Bepacke mich mit 1000 Vorhaben, Büchern und Garnen und dann in Kroatien kommt die Hitze und nur noch ganz elementare Vorgänge sind möglich. Ich wehre mich, will weiterhin funktionieren, doch gegen den Sommer komme ich nicht an und das ist gut so. Ich hisse die weiße Fahne, liege herum, schwimme, esse, schlafe, lese und finde Gefallen daran nichts weiter tun zu können. Wie Frederick die Farben für den Winter sammelt, sammle ich die Wärme speichere sie in Zellen und Knochen für die kalte ,dunkle Jahreszeit in der Stadt.
Als ich heute morgen so mit halb offenen Augen, fast träumend aber schon denkend im Bett lag ging es um Zeit. Aber Zeit nicht rein mit dem Gehirn gedacht, sondern Zeit gefühlt. Ihr kennt das bestimmt, wenn Ihr die Dinge nicht nur mit dem Kopf versteht sondern mit jeder Faser spürt. Das kann eine Sekunde dauern, ein paar Minuten und dann ist es auch schon wieder vorbei, mit dem Intellekt manchmal später nicht mehr wirklich zu fassen, aber der Körper hat es abgespeichert.
Neben uns im Zimmer schlief das Baby unserer Nichte und meine Erinnerung spiralisierte sich zurück 22 Jahre als wir mit unserem ersten Baby hier lagen. All die Sommer, die wir hier verbracht haben, all die Kämpfe gegen die Hitze und dann immer der Genuss sich einfach in die Hitze zu ergeben und was für ein Geschenk die Hitze dann sein kann. Das immer wieder kehrende Erkennen, dass ein Ergeben in die Hitze ein ergeben ins Leben soviel sinnvoller ist, als der Widerstand und doch kommt es immer wieder dazu, dass das Leben ins Stocken gerät, ganz einfach weil das dazu gehört zum Leben.
Es also überhaupt nicht notwendig ist im ständigen Fluß zu bleiben. Das Wort” Zeit” mäanderte in Spiralen durchs Zimmer, übers Feld bis zum eiskalten Fluß und entlang dieser Zeitspirale erschienen Erinnerungen, gelebte Bilder und alles wiederholte sich und verlor an Bedeutung und gleichzeitig wuchs die Bedeutung jedes einzelnen Erlebnisses weil sich alles ins Gesamtbild so gut hineinfügte und eine Gesammtbedeutung jenseits vom individuellen Schicksal erhielt. Wie ich so lag und mich drehen ließ von der Zeit wußte ich, jetzt kann ich mich hinsetzen und schreiben, weil jetzt in diesen Zeitspiralen findet alles seine richtige Einbettung.
Mein Leben mit den Kindern als junge Schauspielerin, dann die Puppen, die sich jetzt schon so weit weg anfühlen, die eine gute Zeit waren aber auch jetzt in ihrem Raumschiff ohne mich als Pilotin durch die Galaxien steuern. Friedl mein Clown, die mir genau das schenkt, was ich als Schauspielerin gesucht und nicht gefunden habe, anarchische Freiheitsmomente, Poesie und bodenständige Blödheit, wohltuende Überheblichkeit und gründliches Scheitern. Dann der Schamanismus der so ganz unerwartet in mein Leben getreten ist, nach dem ich überhaupt nicht suchte, der mich aber gelehrt hat, dem Ruf des Lebens ( ja ,ich weiß es klingt extrem pathetisch, doch eine ordentliche Portion davon gehört für mich zum Leben dazu) zu folgen . Der mich gelehrt hat, mich als Teil dieses wunderbaren Planeten zu betrachten und mich die Kommunikation mit allem um mich herum lehrt, täglich. Wie in unserem Körper all die Teilchen, Tierchen, Bakterien, Viren, Hormone und was es da alles gibt miteinander im Austausch sind. Für das betreten dieses Weges bin ich meiner Freundin, die mich da ganz ohne Absicht hingeführt hat dankbar und meiner schamanischen Lehrerin Inadevi für all ihr Wissen das sie weitergibt unermüdlich… ich sehe die Sonne am gegenüberliegenden Berghang, noch hat sie unsere Seite des Tales nicht erreicht, noch drehe ich mich träumend und denkend in den Zeitwirbeln… da erscheint zu guter Letzt der Fliegenpilz und ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke wie er sich in mein Leben gebeamt hat, typisch Pilz, durchs Myzel , durchs www, durch Instagram, ganz zeitgemäß.
Dort tauchten immerwieder von Gerti die Posts auf, erfrischend uninstergrammig , ganz schlicht und nüchtern wie ein Spaziergang durch die Natur, und ohne das ich mich versah hatte ich mich angemeldet zu ihrer schamanischen Ausbildung mit dem Fliegenpilzspirit. Gerti hat viele Jahre in den USA als Psychotherapeutin gearbeitet und ein sehr vielseitiges und fundiertes Wissen über den Fliegenpilz in ihrem Training weitergegeben, von allen möglichen Standpunkten den Pilz und seine Möglichkeiten beleuchtet, so dass wir alle unseren ganz eigenen Zugang finden konnten .
Ich habe erste Erfahrungen mit Microdosierung gesammelt und ebenfalls erste Erfahrungen mit meiner Umwelt ,die annahm ,ich nehme jetzt Drogen. Eine zeitlang versuchte ich sehr deutlich aufzuklären, daß ich keine Drogen nehme und war erstaunt wie erfolgreich hartnäckig sich doch das Bild des Fliegenpilzes , als hochgiftig in unserer Gesellschaft gehalten hat und habe beschlossen jeden Menschen das denken zu lassen was er will, weil ja sowieso jeder denkt was er will ( wobei das natürlich eine Komplizierte Beziehung ist zwischen uns, unserem Denken und unserem Willen, denken wir wirklich was wir wollen…wissen wir überhaupt was wir wollen ?).
Die Palmen wedeln den Olivenbäumen zu , und diese den Kiwis, welche sich raschelnd an die wippenden Weinblätter wenden und ich schmunzle in mein Kissen über die Geschwindigkeit mit der der Fliegenpilz mein Leben geprägt hat.
Über Monate war mein Leben wie auf einer deutschen Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung, dabei liebe ich die Langsamkeit. Das Amanitamyzel wächst und verbindet und kreiert, ob ich bei einer Institutsgründung dabei sein wolle , es geht um indigene Pflanzenmedizinen und deren Weisheit, sie mit indigenen Menschen gemeinsam zu stärken, dass es zu keiner erneuten Kolonialisierung kommt, eine Brücke zu bauen zwischen heart and mind zwischen indigenem Wissen und unserem westlichen , wurde ich gefragt von Nora, die gerade eine Doktorarbeit über Amanita Muscaria schreibt ,die ich bei Gertis Training kennenlernte. Ich habe gelernt, wenn das Leben ruft ja zu sagen, also sage ich ja, einige Monate später schließt sich Gerti, von der ich so viel über den Fliegenpilz lernen durfte, unserer Institutsgründung an und noch einen rasenden Kilometer weiter, finde ich mich plötzlich auf der anderen Seite wieder, auf der Seite der Lehrenden, ich darf zusammen mit Gerti und zwei anderen wunderbaren Frauen das schamanische intensiv Training zum Fliegenpilz gestalten
…nun hat die Sonne fast unseren Balkon erreicht und es ist Zeit, das Schreiben und Denken zu pausieren und sich wieder der Hitze zu überlassen.
Hier noch mal in Kürze alles was ansteht und wo ihr, so ihr denn wollt, dabei sein könnt
Fliegenpilz Intensiv Training ( startet im Herbst)
Kurs zum Austausch von Fliegenpilz Mikrodosierung ( startet im Herbst , genaue Zeit wird noch bekannt gegeben)
Einzelbegleitung Fliegenpilz jederzeit buchbar
genießt den Sommer
